Unser Fotobrowser ist wie ein unermesslich großer Fundus, in dem wir immer wieder voller Begeisterung stöbern und tolle, inspirierende Fotos entdecken. Heute möchten wir euch unsere Fotografin Kerstin Maier a.k.a. kemai vorstellen, die Photocase schon seit 2007 bereichert.

1) Hallo Kerstin! Bitte erzähl uns kurz was zu dir. Wer bist du und wie bist du zur Fotografie gekommen?

Hallo! Ich bin Kerstin, 40 Jahre alt und wohne auf dem schwäbischen Land zwischen Stuttgart und Ulm. Wie ich zur Fotografie gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr genau. Ich hatte wie vermutlich viele als Kind so eine Ritschratsch-Kamera, ich glaube die war ein Geschenk beim Weltspartag der Kreissparkasse :) Ich hab aber nur ein bißchen geknipst. Als ich 18 war, hat meine Mama wieder geheiratet, und ihr zukünftiger Mann hatte eine analoge Minolta inklusive einiger Objektive. Ich wurde gefragt, ob ich die Hochzeitsfeier fotografieren würde und sagte zu. Es machte Spaß - ich knipste einen Film voll. Dachte ich… denn wie sich herausstellte, hatte ich vergessen einen Film einzulegen! Einzigartige Momente, für immer verloren :) Dabei war ich sicher gewesen, dass ich ein ganz tolles Bild von zwei kleinen Jungen gemacht hatte… nun in der Kategorie „Bilder, die nie gemacht wurden“ :) Danach ging es dann quasi nur noch bergauf mit meiner Fotografie, und dieser Fehler passiert einem auch nur einmal, egal ob nun kein Film drin oder keine Speicherkarte mit…

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London sunlight

2) Du bist seit 2007 bei Photocase. Wie bist du bei uns gelandet und wie gefällt es dir? ;)

Ich arbeite hauptberuflich bei einer kleinen Webagentur in Stuttgart, und wir suchen ab und zu auch Stock Fotos für unsere Projekte. Deshalb habe ich mich 2006 bei Photocase angemeldet. Es dauerte dann noch über ein Jahr, bis ich selbst Fotos hochgeladen habe. Die Agentur hatte eine Nikon D50, D80 und dann schnell eine D300 angeschafft, die ich auch nutzen konnte. Nach ein paar Monaten hatte ich dann das erste Bild „drin“.

Seitdem hatte ich viele schöne Momente durch Photocase, nicht nur durch das Bestätigen und den Verkauf von Bildern, sondern durch die Menschen in der Community. Es sind über die Jahre einige Freundschaften entstanden, die ich nicht mehr missen möchte.

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Abendlicht

3) Was bedeutet Fotografie für dich?

Die Fotografie zu entdecken, war wie eine Offenbarung für mich. Ich konnte das kreative Potential, das ich immer schon in mir hatte, endlich einsetzen. Früher hatte ich es mit Zeichnen und Malen versucht, aber das führte irgendwie nicht zu wirklich tollen Ergebnissen. Erst die Fotografie scheint richtig zu passen. Als ich „am Anfang“ mal über eine Wiese kroch, um Wespen, die auf fauligen Äpfeln im Gras saßen, zu fotografieren, wurde ich von einer Freundin, die im Auto vorbei fuhr, „erwischt“. Das Gelächter war groß, und die Geschichte sorgt immer noch für Fröhlichkeit in größeren Runden. Aber das Schöne ist, dass mittlerweile alle meine Fotografie respektieren und das ist auch ein wichtiger Aspekt für mich - Anerkennung für das was ich tue. Außerdem finde ich Ruhe und Freiheit in der Landschaftsfotografie, kann bei mir sein bzw. zu mir kommen. In der Fotografie mit Menschen ist es das Schönste für mich, wenn man während des Shootings spürt, wie sie in den Moment hinein kommen und hinterher merken, dass sie doch nicht so unfotogen sind, wie sie dachten und wir schöne Fotos schaffen konnten.

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Mit einem lachenden Auge

4) In deinem Photocase-Portfolio entführst du uns immer wieder in die verschiedensten Himmelsrichtungen. Welchen besonderen Reiz hat das Reisen für dich?

Es zieht mich nie besonders weit weg. Aber Reisen ist für mich schon, wenn ich auf meinen Hausberg (auf dem ich im Moment sitze) fahre, oder in die Pfalz, oder an den Bodensee. Freiheit ist ein wichtiges Thema in allen meinen Bildern, ob darauf Landschaften oder Paare zu sehen sind. Bei den Menschen versuche ich zu erreichen, dass sie beim Fotografieren ihre eigene Freiheit spüren, die Freiheit ihre Gefühle zu zeigen, und bei Paaren, ihre Liebe zu fühlen. Bei den Landschaften ist es einfach die Weite, die zu solch einem Gefühl führt, ich liebe einsame Gegenden, bzw. früh morgens unterwegs zu sein, wenn ich dort alleine sein kann. Diese Zeilen schreibe ich wie gesagt auf einem Hügel sitzend, meinem Lieblings-Heimatshügel. Ich verfolge den Lauf der untergehenden Sonne, höre den Wind, schaue den Schwalben zu, sehe in die Ferne und trinke einen Schluck von meinem Bier und mache ab und zu ein Bild, weil gerade am Horizont ein Regenschauer vorbeizieht, vor der Kulisse der Schwäbischen Alb. Der Wind frischt auf und die Grillen zirpen. All das ist für mich Reisen.

Mein Traumland ist Großbritannien. Ich war schon an vielen Orten in England, an zweien in Irland und kurz in Wales. Schottland steht auch noch auf der Liste. Und auch dort werde ich wieder irgendwo sitzen und dem Augenblick zuhören. Und Weiterreisen. Und Heimkommen. Denn das ist einer der Hauptgründe für mein Reisen, das Heimkommen ist wundervoll. Manchmal dachte ich schon, es wäre mein einziger Grund für das Reisen.

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Basteibrücke

5) Viele deiner Fotos spielen mit dem Licht und kühlen, weichen Farben und strahlen so eine ganz markante Ruhe aus. Gibt es ein bestimmtes Gefühl, dass du den BetrachterInnen deiner Bilder vermitteln möchtest?

Das ist eine schöne Frage. Ich freue mich sehr, dass man die Ruhe sehen kann, denn das ist auch was ich beim Fotografieren meistens empfinde. Dann mache ich wohl etwas richtig!

Weitere Gefühle, die ich gerne auslösen möchte, sind: Innehalten, Durchatmen, bewusstes Wahrnehmen und die schon genannte Freiheit und das Heimkommen.

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Stein auf Stein. Auf Stein

6) Du fotografierst sowohl Landschaften als auch Personen und Tiere. Was oder wen hast du am liebsten vor der Linse und warum?

Tiere laufen eher „nebenher“, denk ich :) Wenn mein Kater so daliegt und sich durch den Tag prokrastiniert, muss ich manchmal einfach die Kamera holen und abdrücken. Ich denke meine Lieblingskombination ist es, wenn ich Menschen mit der Natur kombinieren kann, und das Licht auch noch stimmt. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist mir das Alleinsein in der Natur mit der Kamera am liebsten, gepaart mit genug Zeit, die Landschaft zu betrachten und abzulichten.

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Prokrastination deluxe

7) Wer oder was inspiriert dich?

Es inspiriert mich unheimlich, unterwegs zu sein, Dinge zu sehen und Eindrücke zu sammeln. Ich liebe die kleinen Dinge, ein unvorhergesehenes Erlebnis kann ich mich durch den ganzen Tag tragen, und wenn es nur eine kleine Blume ist, ein gerade in den Moment passendes Lied oder das Lächeln eines Fremden. Unheimlich inspirierend sind für mich auch Tagträume, denen ich mich hin und wieder hingebe. Und natürlich ziehe ich auch Anregungen aus dem Netz und von anderen Fotografen, deren Bilder mir gefallen.

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Korn liegt auf der Hand

8) Mit welcher Kamera fotografierst du?

Im Moment mit einer Nikon DF und einer Nikon D700, die letztere ist zwar alt, würde ich aber nie hergeben. Die DF liebe ich alleine wegen ihres tollen Auslöser-Geräusches, das ist so ein schönes sattes „Schnock“ :) Beide haben nur 12 Megapixel, aber das reicht für mich. Ich habe auch noch eine alte Ricoh GRD, die ich letztens mal wieder benutzt habe und ab und zu fotografiere ich analog mit einer Nikon F80.

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Mohn durch Korn

Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Kerstin!

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Veröffentlicht von Theresa am 19. August 2016.