Da ist er, mein erster Turm. Nicht nur mein erster hier, sondern der erste, den ich seit 24 Jahren fotografiert habe. Der erste in diesem Jahrtausend quasi.
Die älteren unter den anwesenden Ostdeutschländern kennen vielleicht noch die damalige Prozedur zur Empfängnis der Jugendweihe. Meine war 1986. Zunächst war es unumgänglich ein Jugendfreund der FDJ zu werden um dann im FDJ-Studienjahr die einzig wahre Heit über Partei und die Welt zu erfahren. Das führte, falls man immer kräftig an den richtigen Stellen nickte, zur Verleihung des Abzeichens für "Für vorbildliche Leistungen zu Ehren der DDR" in Bronze. Dann mußte man genügend Altstoffe sammeln, 11 Wein- oder Schnapsflaschen und 1,5 Kilo Papier im Monat waren das Mindeste. Das war das Schlimmste, stellten diese doch eine nicht unwesentliche Einnahmequelle zur Deckung der Unkosten einer jungen werdenden Beatsau dar.
Wenn das und ein paar andere Dinge erledigt waren, gab es kurz vor der eigentlichen Empfängnis zwei große Reisen. Die erste führte nach Weimar auf den Ettersberg, die andere nach Berlin. Letztere hätte ich beinahe verpaßt, da kurz vorher eine heftige Meinungsverschiedenheit zwischen mir und dem Lehrerkollektiv betreffs meiner Bekleidung auftrat, aber das ist eine andere Geschichte. Wie dem auch sei, im Frühjahr fuhr die gesamte Klasse 8 der örtlichen POS für eine Woche in die Hauptstadt der DDR. Nach dem ausgiebigen Bestaunen des Palastes der Republik fiel mein Blick auf den Turm. Ich trug seinerzeit stets einen kleinen Fotoapparat bei mir, ich glaube er hieß "Beirette". Der machte so kleine fast quadratische Bilder, natürlich schwarzweiß, Farbe konnte ich mir nicht leisten. Also warf ich meinen Kopf nach hinten, schaute durch das Guckloch, und da fiel es ab. Das Objektiv. Es war bitter, zu reparieren ging das nämlich nicht mehr.
Ich habe gehörig Abstand genommen, um das Bild zu machen. Wenn ich damals aber versucht hätte, mich an diesen Ort zu stellen um zu fotografieren, wäre ich wohl erschossen worden.
Edith korrigiert, das FDJ-Studienjahr verursachte natürlich die Verleihung des "Abzeichens für gutes Wissen" (auf dem anderen Bild unter dem Ehrenorden). Den oben erwähnten Orden gab es nur für Streber.
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schön, dass du der allgegenwart eines fernsehturms mit deinen bildproportionalen eine neue bedeutung gibst. im übrigen mag ich solche alten geschichtsgeschichten
ICH KOMMENTIERE GRUNDSÄTZLICH KEINE FOTOS MIT DIESEM DINGS DRAUF!
Na ja gut, deine led endige Geschichte entschädigt wiederum für so Einiges. Ich wurde z.B. nicht geweiht, nicht mal ein geweiht. Bei der der Flucht müssen meine Eltern aber auch irgendwie an dem Dingsdaturm vorbeigekommen sein...
Beirette hatte ich, hab ihn mit 6 Jahren bekommen(1972) und irgenwann hat der Transportschieber für dieFfilme nicht mehr transportiert, ja das war das aus für eine frühe Karriere als Fotografin:
ich habe es leider nicht mehr bis zur fdj geschafft. und jugendweihe gabs nur im schwedter kulturhaus (immerhin heute die vielfach gelobten uckermärkischen bühnen schwedt )